Asset and Liabilities Management

Aktiv- und Passivsteuerung

Aktiv-Passiv-Management für Versicherungsunternehmen. 1. RAL-Definition Asset/Liability Management (ALM) kann im Allgemeinen als die ganzheitliche Betrachtung und optimale Strategieführung eines Unternehmen nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten aufgefasst werden, bei der die vorhandenen Vermögenswerte und Verbindlichkeiten des Unternehmen sowie deren wechselseitige Abhängigkeiten gleichzeitig berücksichtigt werden. Ziel ist es, die Gesamtheit der Position des Unternehmen im Sinne eines Finanzertrags/Risikoziels unter Beachtung der Risikovorliebe der Unternehmensleitung zu optimieren.

Das Konzept und die Aufgabenstellung des ALM gehen jedoch über das abgestimmte Management der Vermögensstruktur (z.B. Bestimmung der Vermögensallokation durch die Vermögensverwaltung eines Pensionsinstituts oder einer Bank) und der Haftungsstruktur (z.B. Optimalisierung der Kapi talstruktur durch Bestimmung des Verschuldungsgrads von Industrieunternehmen oder Strukturierung der Versicherungskontraktmerkmale von Lebensversicherungen) hinaus.

Ziel des ALM ist es auch, die Erträge und die mit den einzelnen Beständen einhergehenden Risken (z.B. Schwankungen der Wertschriftenrenditen und deren Korrelationen im Portfolio) unter Einbeziehung der mit jeder Bestände verknüpften Cashflow-Effekte und der zu beachtenden rechtlichen und regulatorischen Beschränkungen (z.B. KAGG, VAG) zu steuern.

Die Entstehung dessen, was heute unter dem Stichwort Aktiv-Passiv-Management zusammengefasst werden kann, geht auf die Kapitalanlageberechnung zurück, bei der die eingeschränkte Angemessenheit von Teilberechnungen zur gleichzeitigen Erstellung von Unternehmensgesamtmodellen führte. Ziel der exakten Strukturmodellierung eines Gesamtunternehmens ist die gleichzeitige Investitions- und Finanzierungsplanung, die auf der Grundlage von linearen Optimierungsansätzen eine gleichzeitige Koordination der Beteiligungsprogramme mit den Finanzprogrammen, ggf. auch mit Produktions- und Vertriebsplanung, anstrebt.

In der Praxis erfolgte die Implementierung des Aktiv-Passiv-Konzeptes zunächst bei Kreditinstituten, bei denen sich die risikoorientierte Koordination zwischen Kredit- und Einlagengeschäft im Wesentlichen auf das Zinsrisikomanagement konzentrierte, da der Zinsen der wesentliche Risikoeinfluss sowohl im Kredit- als auch im Einlagengeschäft ist (Schierenbeck, H. 1998). Auch erst später ergaben sich Ansatzpunkte für das gleichzeitige Aktiv-Passiv-Management von Wechselkurs-, Liquiditäts- und Kreditrisiken.

Im Gegensatz dazu verlangt das Aktiv-Passiv-Management von Versicherungs- und Industrieunternehmen eine gezielte Anlagestrategie. Demgegenüber sind hier makroökonomische Einflussfaktoren von größerer Bedeutung, die sich einerseits auf Investitionen auf der Aktivseite auswirken (z.B. Aktien-, Immobilien-, Anleihekurse) und andererseits auf der Passivseite versicherungstechnische Verbindlichkeiten (Albrecht, S. 1998). Der ALM ist zum einen aufgrund rechtlicher Regelungen erforderlich, die die Deckung von Verbindlichkeiten mit korrespondierenden Vermögenswerten vorschreiben (z.B. VAG).

In Bezug auf die Dimension des ALM kann ein ALM auf der Unternehmensebene und ein ALM auf der Mikroniveau unterschieden werden (Albrecht, S. 1998), sowie ein gleichzeitiges und ein aufeinanderfolgendes ALM. Auf makroökonomischer Ebene betrachtet ALM das Gesamtunternehmen als ein Portfolio, dessen Risiko-/Renditeposition durch die gleichzeitige Verwaltung des Asset-Teilportfolios und des Liability-Teilportfolios bestimmt wird.

Dabei wird nicht zwischen Einzelvermögen (z.B. Dividenden, Liegenschaften, Hypothekarkredite) und Verbindlichkeiten (z.B. Spargelder, Kapitallebensversicherungen) differenziert, sondern nur deren kumulativer Effekt im breit gefächerten Portefeuille berücksichtigt. Beim mikrostufigen ALM dagegen werden die Einzelsegmente des Aktiv- und Passivportfolios hinsichtlich ihres Cashflow-Profils und/oder ihres Risiko-/Renditecharakters abgeglichen. Simultan ALM bezieht sich auf das vollstufige Gesamtmanagement des Konzerns mit gleichzeitigem und gegenseitigem Abgleich der Aktiv- und Passivpositionen. Die ALM ist ein integraler Bestandteil des Geschäfts.

Im Gegensatz dazu ist das sukzessive ALM eine unvollkommene Ausprägung des ALM, da es z.B. auf festen Verbindlichkeiten basiert und die Vermögensstruktur entsprechend aufbereitet wird. Zuerst muss die Risiko-Struktur (z.B. dominantes Zinsrisiko) der Vermögenswerte und Verbindlichkeiten identifiziert werden. Dazu ist eine Analyse der Einflussgrößen erforderlich, die unter Einbeziehung ihrer Wechselwirkungen die Aktiv- und Passivposition und damit den zu erzielenden Mehrertrag beeinflussen.

Anschließend sind angemessene Risikokennzahlen (z.B. Dauer, Schwankungsbreite, Rating) auszuwählen, um die Gesamtlage der Aktiv- und Passivpositionen einheitlich messen zu können. Abschließend müssen beide Funktionen im Sinne des Risk Managements im Hinblick auf das vom Management bevorzugte Risiko-Rendite-Ziel gesteuert und optimiert werden. Hier sind beispielsweise die klassischen Finanzierungsvorschriften zur Kontrolle der Eigenkapitalstruktur zu erwähnen.

Im Sinne der individuellen Refinanzierung werden festverzinsliche Bilanzen erstellt, bei denen Konzern- oder einzelne Verbindlichkeiten des Festzinsgeschäftes (z.B. Guthaben bei Kreditnehmern oder Banken) in Bezug auf ihre Nennwerte einzelnen Festzinsgruppen- oder Forderungen gegenüberstehen und miteinander verglichen werden. Bei einem Überschuss von Null sind die Effekte von Zinssatzänderungen auf Vermögenswerte und Verbindlichkeiten im Idealfall gleich, so dass der Nettozinsertrag gegen das Zinsänderungsrisiko geimpft wird.

Durch die verstärkte Fokussierung auf Cashflow- und barwertorientierte Parameter wurden Vermögenswerte und Verbindlichkeiten nicht nur hinsichtlich ihrer Nennwerte und Volumen, sondern auch hinsichtlich ihrer Zahlungseffekte verglichen. Die Verrechnung der zu erwartenden Vermögens- und Schuldflüsse führt zu einem Netto-Cashflow, dessen Zeitwert durch Abzinsung bestimmt wird (Barwertkonzept). Anders als bei der Betrachtung des periodischen Zinsüberschusses erlaubt das Nettobarwertkonzept die Betrachtung von marktzinsbedingten Kurs- oder Vermögensverlusten, da der Nettobarwert als Verkehrswert des Kapitals und damit als Kernziel des wirtschaftlichen Handelns interpretiert werden kann.

Wenn der Vermögenscashflow eine höhere oder niedrigere Zinssensitivität als der Verbindlichkeiten-Cashflow enthält, würde der Verkehrswert der Vermögenswerte im Falle eines Zinsanstiegs mehr oder weniger als der Verkehrswert der Verbindlichkeiten fallen, was zu einer Verringerung (Erhöhung) des Aktienmarktwertes führen würde. Sind die Cashflow-Strukturen der Vermögenswerte und Schulden voll aufeinander abgestimmt (Cash Flow Matching), wird das Unterneh-men gegen Zinsänderungsrisiken impfen.

Vorraussetzung für ein aktives Zinsmanagement ist eine Vorhersage über die zukünftige Entwicklung der Zinssätze, nach der das Unternehmen positioniert ist (Schierenbeck, H./Wiedemann, A. 1995). Es ist möglich, dass nicht jeder Passiv-Cashflow durch einen entsprechenden Vermögenscashflow mit gleichbleibender Fristigkeit und gleichem Betrag abgedeckt ist (Bierwag, G. 1987). Nachteilig an diesen Modellen ist ihr Determinismus, da eine Impfung immer nur im Hinblick auf den angenommenen Zinsänderungsprozess möglich ist, und zum anderen der fehlende analytische Optimierungsbedarf, da der Fokus immer nur auf der Kontrolle einer Risikovariablen und nicht auf der Optimalisierung des Gleichgewichts zwischen Ertrag und Risiko liegt.

Dabei werden Vermögenswerte und Verbindlichkeiten sowie Chancen und Risiken ausdrücklich gleichzeitig berücksichtigt. Unter Einbeziehung der korrelativen Beziehungen zwischen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten wird der Einfluss der Risikostreuung zwischen mehreren Anlageklassen auf der einen Seite und unterschiedlichen Produktlinien auf der anderen Seite auf der Unternehmensebene insgesamt zusammengefasst. Je nach der Form der Haftungsmodellierung und der eingesetzten Rendite- und Risikomessung können mehrere Teilvarianten des Portfolioansatzes unterschieden werden.

Einerseits können die Verbindlichkeiten als Einschränkung erfasst werden, um eine optimierte Asset Allocation unter Shortfall-Bedingungen zu erreichen (safety-first approach). Andererseits können die Verbindlichkeiten als unabhängiges Depot mit negativen Renditeerwartungen ausgewiesen werden. Bei neueren Modellen wird die Ertragskomponente von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten nicht separat erfasst, sondern die Rendite-/Risikoposition des Überschusses als Unterschiedsbetrag zwischen Vermögen und Verbindlichkeiten optimiert (Überschussmanagement).

Der Mehrertrag kann als Return on Equity des Unternehmen interpretiert werden. Je nach übergeordneter Aufgabenstellung ist die Leitungsorganisation des ALM oft als Asset Liability Committee (ALCO) oder als Stabstelle nahe dem Vorstand konzipiert (Benz, M. 1997). Dazu zählen beispielsweise das Wilkie-Modell (Wilkie, D. 1995), das CAP:Link-Modell (Mulvey, J./Thorlacius, A. 1996), das russisch-jasudanische Modell (Nager, J. 1998) oder das Total Integrated Risk Management Modell TIRM (Correnti, S./Nealon, P./Sonlin, S. 1996).

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